Politik, Konflikt und Poesie


Schlaglichter einer Theorie für eine universitäre Bewegung.

Die Lage der Universität ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts neu zu denken: Eine starke Uni-Bewegung würde es erlauben, Kämpfe um städtischen Wohnraum, Arbeitskämpfe, Kämpfe von Geflüchteten usw. zu unterstützen und breitenwirksamer zu führen: nicht in Konkurrenz, sondern in Verdichtung anderer Felder der Auseinandersetzung als der hochschulpolitischen. Die radikale Linke sollte sich wieder in besonderem Maße auf den universitären Kontext konzentrieren.

Dies sind die Ausgangspunkte des folgenden Beitrags, der zuerst in der HUch – kritische Studierendenzeitschrift erschienen ist und die hier stattfindende Debatte in einer gekürzten und leicht veränderten Form anreichern soll.

1. Was einst die Fabrik war, ist nun die Universität

Warum radikale Politik ausgerechnet an der Uni? Stellen die studentischen Subjekte nicht potentiell die herrschende Klasse, die keine Veränderung will? Ist die Universität nicht nur eine kleine, elitäre Institution zur Ausbildung der Ware Arbeitskraft?

Knapp 52% der Schüler*innen eines Jahrgangs beginnen heute in Deutschland ein Studium an einer Hochschule oder Universität –Tendenz weiterhin steigend. (Alle Zahlen aus: Seeliger, Berthold: Klassikkampf. Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle. Berlin, 2017.) Zum Vergleich: 1970 (also kurz nach Beginn der 68er Revolte) waren es gerade einmal 12%. Die Universitäten von heute – so legen es diese Zahlen nahe – sind längst nicht mehr die elitären Bildungsinstitutionen der Wenigen, für die sie vor allem Linke oft noch halten. Vielmehr müssen wir von der Universität als einem zentralen Ort der Ausbildung und Subjektivierung sprechen. Im »kognitiven Kapitalismus« ist die Universität darüber hinaus die zentrale Produktionsstätte der Ware »Wissen«. »Welcome to the machine«, so werden in einer Karikatur des Satirikers Gerhard Seyfried die Student*innen in der »Wissensfabrik« begrüßt.

Gehen wir näher auf die Parallelen zwischen Universität und Fabrik ein. Mit der Formierung der klassischen Industriearbeiter*innenschaft am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Fabrik zum zentralen Ort des Konflikts zwischen Kapital und Arbeit, der Streik das übliche Mittel des Kampfes. Um sie herum bildete sich eine widerständige Kultur des »Proletkults« (Volksbühne, Arbeiter*innenlesezirkel usw.). Spätestens seit den 1970er Jahren ist diese formierte Arbeiterklasse jedoch verschwunden, wurde – zumindest in den meisten Ländern des globalen Nordens – sozialstaatlich eingehegt. Mit dem Postfordismus (Vgl. Raunig, Gerald: Im Modus der Modulation. Fabriken des Wissens. HUch # 87) diffundiert die Produktion in die Gesellschaft – viele Arbeitskräfte arbeiten nicht mehr in Bereichen der klassischen industriellen Produktion, sondern in Vertrieb, Werbung, Logistik, Dienstleistung, digital economy usw. (Hiermit geht auch der massive Bedeutungszuwachs des finanziellen Sektors einher.) Diese Zerstreuung der Lohnabhängigen schwächt auch deren Position im Arbeitskampf. Meine These wäre nun, dass auf den »Exodus der Arbeiter*innen aus der Fabrik« der Einzug derselben in die Universitäten folgt – zumindest temporär, da sie dort für den neuen Arbeitsmarkt qualifiziert werden. Damit konzentriert die Universität die Subjekte räumlich-zeitlich an einem Ort und stellt auf diese Weise (auch hier der Fabrik nicht unähnlich) eine Art geteilten öffentlichen Raum her, wie er in weiten Teilen der Gesellschaft zerfallen ist. Als »geteilter öffentlicher Raum« ist die Universität außerdem ein ausgezeichneter Ort für politische Kampagnen. Die Universität bildet die Studierenden nicht nur zu gut funktionierenden Arbeitskräften aus, sie steuert auch deren ideologische Anpassung an die kapitalistische Wirtschaftsweise. Jene Anpassung funktioniert natürlich nie reibungslos. Und kritisches Denken, Forschen und Leben bedeuten gerade den Kampf gegen diese ideologische Zurichtung. Als »geteilter öffentlicher Raum« ist die Universität ein ausgezeichneter Ort für politische Kampagnen. All das ist die Uni natürlich nicht erst seit gestern. Zusammenfassend: »War einst die Fabrik ein paradigmatischer Ort des Kampfes zwischen ArbeiterInnen und KapitalistInnen, so ist heute die Universität ein wesentlicher Ort des Konflikts um den Besitz von Wissen, die Reproduktion der Arbeitskraft und die Herstellung sozialer und kultureller Stratifizierung. Denn die Universität ist nicht einfach eine weitere Institution, die der staatlichen und gouvernementalen Kontrolle unterworfen ist, sondern ein entscheidender Ort, an dem breitere soziale Kämpfe gewonnen und verloren werden.« (Federici, Silvia; Caffentzis, George: Anmerkungen zur edu-factory und zum kognitiven Kapitalismus.) Die Universität bildet für die Student*innen also eine Art »konfliktive Durchlaufstation«. Man möchte der radikalen Linken zurufen: »Hier sind die Leute, hier tanze!«

Eine starke Linke, die auf diese Konflikte einwirkt, sie verschärft und andererseits eine Art »kulturelle Hegemonie« an der Uni erlangt, hätte – so meine Wette – gute Chancen, auch entscheidende emanzipatorische Impulse in breitere Teile der Gesellschaft zu tragen. Entscheidend hierfür wäre auch, dass große postautonome Bündnisse wie die Interventionistische Linke und ...ums Ganze! sich wieder mehr auf die Universität konzentrieren würden. Paradoxer Weise will man in diesen Gruppen ja über die »Szenegrenzen« hinaus Politik machen, tut dies aber nicht dort, wo es am naheliegendsten wäre: Dort, wo auch ein großer Teil der Aktivist*innen »herkommt« und wo – wie gesagt – ein großer Teil der Lohnabhängigen heute ausgebildet wird.

2. Linke Infrastruktur und die Politik des Konflikts

Ich möchte in Anlehnung an den Ereignisbegriff von Alain Badiou zwei Bereiche skizzieren, die eine radikale Politik an der Uni umfassen müsste, um dann durch sie eine Logik der »Politik des Konflikts« zu entwickeln, die auf das »Ereignis« verweist. Das Ereignis markiert für Badiou immer einen Bruch oder eine Revolution. Historische Beispiele sind die Selbstermächtigung des Proletariats oder die Subjektivierung, die der Feminismus hervorgebracht hat. Meine These wäre, dass durch die intensivierte, aktivistische Arbeit in den Bereichen (a) der Organisation und (b) des Konflikts an der Universität ein »fruchtbarer Boden« für das Sich-Ereignen des Ereignisses bereitet werden kann. Wir können im Vorhinein natürlich noch nicht sagen, worin das Ereignis »genau« bestehen wird. Es ist uns aber möglich, dem Ereignis die Treue zu halten (auch den vergangenen genannten), in dem wir eine – wie Badiou sagen würde – »Politik der Wahrheit« entwickeln, also eine Politik, die an emanzipatorischer Veränderung festhält. Ich schlage im Folgenden die Einteilung unserer Praxis in einen Bereich (a) und einen Bereich (b) vor, die in Wirklichkeit Momente einer fortschreitenden wellenartigen Bewegung wären.

a) Organisation / Bildung:

An der Uni gibt es zahlreiche linke Initiativen, die allerdings alle relativ vereinzelt arbeiten und somit bisher auch kaum eine gemeinsame Schlagkraft entwickeln können. Gleichzeitig haben diese Einzelinitiativen zumindest in Berlin Zulauf. Die Veranstaltungen der kritischen Orientierungswochen sind immer extrem gut besucht. Es gelingt auch, auf Dauer Leute in die autonomen Unigruppen einzubinden. Hieran gilt es anzuknüpfen. Es müsste gelingen, die in den Orientierungswochen angesprochenen Student*innen in weitere selbstorganisierte Zusammenhänge einzubinden. Von der aktivistischen Kleingruppe bis zum Lesekreis, der fachorientierten kritischen Gruppe (kritische Jurist*innen o.Ä.) bis zu linken Sportgruppen oder Projekttutorien ist einiges denkbar. Entscheidend wäre auch hier eine Vernetzung dieser Zusammenhänge, aus der regelmäßige Bündnistreffen, Kongresse und Veranstaltungen hervorgehen müssten. Und es müssten neue Agitationsformen entwickelt werden, die unpolitische Student*innen ansprechen, ohne an Radikalität zu verlieren. Ein Kulturangebot – von der Zeitung bis zum Kneipenabend – müsste her. Denkbar ist auch ein autonomes Bildungsnetzwerk mit kritischem Vorlesungsverzeichnis usw. Die oben skizzierte Prekarisierung des Arbeitsmarktes und die Desintegration der Lohnabhängigen bringt schließlich auch an anderen Stellen neue Konflikte hervor. Zu suchen wären diese zum Beispiel im Pflege- und Carebereich – so unterstützten Studierende von FU und HU in Berlin das streikende Personal der Charité - oder in der Unterstützung der Streikenden bei Amazon die in den letzten Jahren vor allem von Studierenden der Uni Leipzig organisiert wurde. Hier bräuchte es nicht nur Vernetzung und gegenseitige Unterstützung, sondern auch einen Austausch über gemeinsame widerständige Praktiken und die Möglichkeit der Verbindung und Ausweitung von Kämpfen.

b) Konflikte:

Die letzten Jahre haben gezeigt: die Konflikte »kommen von selbst«, d.h. wir können sie setzen. Seit dem Bildungsstreik 2009 ist es niemals wirklich ruhig geworden. Intern waren an der HU zum Beispiel Auseinandersetzungen um rechte Professoren und der immer noch andauernde Tarifkonflikt der studentischen Beschäftigten aktuell. Auseinandersetzungen können sich weiterhin über den Erhalt oder die Eroberung linker Räume innerhalb der Uni oder, wie jüngst geschehen, an der versuchten Absetzung eines kritischen Dozenten entzünden. Falls die FDP in den nächsten Jahren an Stärke gewinnen sollte, ist außerdem punktuell wieder mit der Einführung von Studiengebühren zu rechnen. Zudem wird sicherlich immer wieder versucht werden, Kürzungen im Mittelbau, in der studentischen Selbstverwaltung und bei sog. »Orchideenfächern« bzw. deren Fakultäten vorzunehmen. Hier müssen Proteste, Besetzungen und Störungen des normalen Betriebs organisiert werden. Auch anderweitige Überschreitungen und Aktionen, die die Regeln des gesetzlich Erlaubten etwas lockerer auslegen, sind zu begrüßen, da sie unverzichtbar für die Entwicklung widerständiger Subjekte sind. Politische Aktionen können natürlich auch von der Uni ausgehen und sich auf außeruniversitäre Themen beziehen, zum Beispiel die Solidarität mit Geflüchteten. Im Sinne einer strategischen Kampagne könnte zum Beispiel auch gegen unbezahlte Zwangspraktika protestiert werden.. Hieran ließe sich auch allgemein die Angewiesenheit zum Beispiel des Berliner Kulturbetriebs auf solche unbezahlten Jobs skandalisieren. Die erfolgreiche (b) Arbeit des Konflikts, setzt dabei eine starke (a) linke Infrastruktur voraus, wobei ein intensiver Konflikt wiederum den Zulauf und den Ausbau der organisierten Struktur anregt. Durch die Konflikte müssten Schritt für Schritt Verbesserungen der eigenen Lage erreicht werden – d.h. mehr studentische Projekttutorien, mehr Geld für Stupa und AStA, mehr Gruppen usw.

Die Hoffnung wäre nun, dass sich auf Grundlage einer etablierten linken Infrastruktur (a) und infolge ausgefochtener Konflikte (b) gewissermaßen etwas Unvorhergesehenes ereignet – eben das Ereignis, das den bisher zerstreuten Aktivist*innen, Prekären und Ausgeschlossenen ihren Platz im politischen Diskurs und damit im politischen Kampf zuweist. Jüngst entstand aus einem nicht wirklich bedeutsamen Konflikt (der Entlassung eines sympathischen Dozenten am Institut für Sozialwissenschaften der HU Berlin und potentiellen Staatssekretärs für Stadtentwicklung) eine Besetzung, die neue Formen von politischen Bündnissen und Ideen hervorbrachte und damit eine neue Dynamik universitärer Politik an der HU zeitigte. In der Besetzung haben sich Menschen zusammengefunden, die für eine radikale Veränderung von Universität und Gesellschaft eintreten – also für das, worüber im offiziellen politischen Diskurs (sowohl in der Uni als auch größtenteils in der Gesellschaft) nicht gesprochen werden kann und wofür es noch keine sichtbare politische Kraft gibt. Worin liegt aber die Macht eines solchen Ereignisses – einer Besetzung oder auch einer größeren Demonstration? In ihr findet eine »Intensivierung subjektiver Energie« (Badiou) statt. Alle arbeiten mit, organisieren, blockieren, plenieren usw. … begeistern sich. Diese Energie potenziert sich und führt zu etwas Neuem. (Badiou, Alain: Das Erwachen der Geschichte. Paris, 2011, S.69. Badiou schreibt diese Zeilen natürlich mit Blick auf seine eigenen Erfahrungen '68.)

Beim Aufbau einer universitären Bewegung müssen wir auf diese Dynamik vertrauen. Es geht letztlich darum, dass sie den Anstoß für eine gesamtgesellschaftliche, radikale, antikapitalistische Politik geben muss. Ich zitiere Badiou: »Aber wer hat jemals einen Aufstand gesehen, in dem die Alten in der ersten Reihe standen? Die studentische Jugend aus dem Volk ist überall, wie man es in China 1966-67, in Frankreich 1968, aber ebenso auch 1848, zu Zeit der Fronde, bei der Revolte der Taipings gesehen hat, und letztendlich immer und überall der harte Kern der Aufstände.« (Ebd. S. 33)

Welches alternative Narrativ haben wir als Bewegung anzubieten? Es fehlt an Visionen und an einer neuen »Poesie der Bewegung«, die genau auch die Erfahrung der Kluft zwischen unserer jetzigen, noch schwachen Position und der historisch zu leistenden Aufgabe sagbar macht, ohne entmutigend zu werden. Darum soll es im letzten Teil dieses Essays gehen.

3. Poesie der Bewegung

»Man muss sich davor hüten, primäre und sekundäre Aspekte von Klassenbildung – kurz: Basis und Überbau – allzu eilfertig sortieren zu wollen und so deren Gewichtung immer schon vorauszusetzen. Die Art und Weise, wie die ›objektiven‹ Bedingungen imaginär bearbeitet und damit kulturell lebbar, wie sie verstehbar und überhaupt erst vorstellbar gemacht werden, wird von den objektiven Bedingungen nicht determiniert.«(Eiden-Offe, Patrick: Die Poesie der Klasse. Romantischer Antikapitalismus und die Erfindung des Proletariats. Berlin, 2017. S. 24) Das schreibt Patrick Eiden-Offe in seinem neuen Buch »Poesie der Klasse«, einer Studie zu den literarischen Produktionen des Vormärz. Eiden-Offe räumt der theoretischen, aber vor allem auch der literarischen Produktion eine Rolle in der Klassenbildung und damit im Prozess der Formierung von Widerstand ein. Dem »buntscheckigen Haufen« folgte die Homogenisierung der Arbeiter*innenklasse (sowohl politisch, ökonomisch als auch imaginär) hin zum »klassischen« Proletariat. Dieses wurde im Fordismus jedoch zunehmend sozialstaatlich eingehegt und gesellschaftlich integriert und verlor damit seine politische Schlagkraft. Seit mehreren Jahrzehnten befinden wir uns jedoch wieder in einer Phase des Zerfalls genau dieser sozialen Garantien (Ebd. S. 37) (Wovon oben schon die Rede war.).

Erinnern wir uns an den ersten Teil dieses Essays: Die Universität ist der Ort, der uns ideologisch und ausbildungstechnisch für diese Arbeitsverhältnisse fit machen soll, sie teilweise selbst stellt und im Umfeld der Uni produziert.

Nehmen wir also die hier entwickelten Gedanken auf: Auch wir brauchen eine neue Poesie der Bewegung und der Klasse. Sie müsste unseren vereinzelten Politiken eine gemeinsame, antikapitalistische Erzählung stiften, es also schaffen, unsere universitäre »Politik des Konflikts« und deren Anstrengungen in den Kontext anderer emanzipatorischer Ansätze und Bewegungen zu stellen, die Verwandtschaft verschiedener sozialer Bewegungen und deren Verbindungen erzählen. Sie müsste uns zu verstehen helfen, dass unsere »Politik des Konflikts« an der Universität letztendlich nicht der Verbesserung dieses oder jenes Missstandes gilt, sondern dass sie unser Versuch ist, systematisch widerständige Subjektivitäten, herrschaftskritisches Wissen und eine Teilbewegung zur Veränderung des falschen Ganzen hervorzubringen. Diese Erzählung kennt natürlich keine einzelne Autor*in. Vielmehr muss sie vielstimmig und doch als aufeinander bezogen gedacht werden. Bini Adamzcak schreibt beispielsweise über die Texte der 68er, sie seien weniger Welterklärungsmodelle, sondern »sie helfen, die Frage nach den entscheidenden Fluchtlinien der Emanzipation zu beantworten danach also, wie aus dem gesellschaftlichen Gefüge von Herrschaft, Widerstand und Begehren Konzepte von einem anderen Leben geboren werden.« (Adamzcak, Bini: Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende. Berlin 2017)

Die neue Poesie von Bewegung und Klasse ist also auf der einen Seite immer schon theoretische Arbeit, auf der anderen Seite aber deren erzählende und erdachte Vermittlung. Sie darf sich nicht auf vorgefertigte verdinglichte Begriffe und Erzählungen verlassen. Ja, es geht hier um Stil. Ein Stil gegen die »dumpfe Orgie von Zynismus, Ironie und Brutalität« (Pasolini). Die Mittel der Wahl reichen vom Manifest über Erfahrungsberichte, Essays, Prosa und natürlich auch Filme usw. bis zur (Nicht-nur-)Theorie-Zeitschrift, wie die HUch eine sein will. Ich möchte hier noch ein Beispiel dafür nennen, wie ein Baustein für die hier skizzierte Poesie der Bewegung aussehen kann. Vor ein paar Monaten ist auf der Internetseite des Deutschlandfunks ein Artikel von Raul Zelik mit dem Namen »Postkapitalistische Perspektiven« erschienen. Zelik gelingt es zu zeigen, warum wir eine radikale Alternative brauchen und wo sich schon Bewegungen zu ihrer Verwirklichung aufmachen (erschienen in der HUch # 87). Zelik (wohl nicht zufällig ein Schriftsteller) schafft das in einem bürgerlichen Medium, ohne auch nur ein Mal in irgendeinen, der nichtlinken Restwelt verschlossenen Jargon zu verfallen. Es ist eine gewisse poetische Anstrengung nötig, um das in einer auch Nichteingeweihten offenstehenden Form zu leisten.

Matthias Ubl ist Mitherausgeber der HUch - kritische Studierendenzeitschrift, in der auch die längere Version dieses Beitrags erschienen ist, und in postautonomen Zusammenhängen aktiv.

Leseempfehlung: Bezüglich der Vergleichbarkeit von Fabrik und Universität sind sich namenhafte Theoretiker*innen wie Silvia Federici, George Caffentzis und Gerald Raunig einig, wie die Debatte um die edu-factory zeigte. Einige Texte dieser Debatte sind hier zu finden.

Bild: Demonstration beim Bundesweiten Bildungsstreik 2009 in Göttingen. CC BY-SA 3.0, von Niels Flöter.